Tuesday, August 23, 2022

Früher war alles besser! Oder?

 

 

"Früher war alles besser!" Es gab Vollbeschäftigung, weniger Leistungsdruck, alles war billiger und die Dinge hatten mehr Beständigkeit. Oder reden wir uns die Vergangenheit etwa nur schön?

Vom Wirtschaftswunder bis zu den 68ern, vom Nierentisch bis zur Schlaghose: Die Dokumentation nimmt die 50er und 60er Jahre unter die Lupe und befragt prominente Zeitzeugen und Experten: Was war früher besser? Was ist Nostalgie und was macht sie mit uns?

Jedes Jahrzehnt hat bahnbrechende Veränderungen mit sich gebracht. Technische Errungenschaften, aber auch sozialen und politischen Wandel. Was hat das für unseren Alltag bedeutet? Wie war unsere Kindheit in den fünfziger Jahren im Vergleich zu heute? War die Jugend in den Sechzigern rebellischer?

Nostalgische Schwärmerei?

Jede Generation verbindet mit ihrer Jugend ein bestimmtes Lebensgefühl, eng verknüpft mit Mode, Musik und politischen Meilensteinen jener Zeit. Wenn wir uns daran erinnern, verfallen wir gerne in nostalgische Schwärmerei. Hängen bleibt vor allem das Positive. Erinnerungen geben uns ein warmes, geborgenes Gefühl und gleichzeitig den bittersüßen Beigeschmack, dass Vergangenes nun mal unwiederbringlich verloren ist.

Prominente Zeitzeugen wie Karl Dall, Wolfgang Lippert, Winfried Glatzeder und Marie-Luise Marjan öffnen für uns ihre privaten Fotoalben und geben Einblick in ihr eigenes "Früher". Nostalgie hebt die Stimmung, dämpft das Gefühl von Einsamkeit, vertreibt Ängste - das belegen Studien. Wir haben Menschen getroffen, die sich nicht damit abfinden wollen, dass die "gute alte Zeit" vorbei ist. Sie holen sich dieses Lebensgefühl in die Gegenwart und lassen den Zeitgeist vergangener Tage wieder aufleben - durch ihre Wohnungseinrichtung, ihre Musik oder durch das Sammeln von Erinnerungsstücken.

Bei mir gab es ein "Früher" vor 1965 und das war im (k)alten Deutschland und das war alles Scheiße; und dann gab es ein "Später" nach 1965 und das war in Australien und das war voller Fröhlichkeit und Sonnenschein.

"Früher war nicht besser!" für mich.

 

Monday, August 22, 2022

Meine Kinderverschickung

 

 

Mindestens drei Millionen Kinder und Jugendliche wurden ab der 1950er-Jahre zum Zwecke der Gesundheitshilfe in Kinderheime an der See oder in den Bergen verschickt. Diese Kinder und Jugendlichen waren entweder zu dünn (die meisten), zu dick (kaum jemand) oder sie kränkelten. Die Eltern waren der festen Überzeugung, es würde ihnen gut gehen auf dieser "Kur". Heute weiß man: Für sehr viele Verschickungskinder war der Aufenthalt ein Martyrium, das bis in die Gegenwart nachgewirkt hat.

Als unterernährtes und armes Nachkriegskind aus einem zerbrochenen Elternhaus schickte mich der Schularzt auch einmal zum "Auffüttern" in ein sogenanntes "Erholungsheim" auf der ostfriesischen Insel Langeoog - natürlich im Winter wenn niemand anders dort hin wollte! Obwohl meine Erinnerungen nicht positiv sind, überlasse ich es anderen zu urteilen ob sich diese Kinderverschickung bei mir zum Nachteil ausgewirkt hat.

 

 

Langeoog im Winter war nicht viel besser als Braunschweig, bloss mit Wasser rings herum. Bei der Ankunft wurden wir auf die Waage gestellt. Anscheinend wurde der Heimleiter "Onkel Max" für jedes Pfund extra bezahlt denn wir wurden wie Schlachtvieh regelmässig wiedergewogen.

Ich war damals noch ganz klein und machte manchmal noch das Bett nass. Das hatte man dem "Erholungsheim" noch vor der Ankunft mitgeteilt und somit kam schon am ersten Abend die "Schwester" in den Schlafsaal und zog im Beisein all der anderen Kinder ein Gummilaken auf mein Bett.

Für die nächsten paar Wochen war ich nicht nur dem Hänseln der anderen Kinder ausgesetzt, sondern versuchte auch so lange wie möglich wach zu bleiben um zu vermeiden daß ich einschlief und im Schlaf das Bett nässte.

Dennoch passierte es mehrere Male, insbesondere als einige der Kinder ganz früh am Morgen nachdem ich endlich eingeschlafen war, meine Hand in einen mit Wasser gefüllten Eimer hängten und es dann plötzlich losging.

Das war aber nur der Anfang denn ich musste dann während der ganzen Frühstückszeit in der Ecke stehen und konnte erst essen nachdem all die anderen fertig waren. Das war eine meiner schlimmsten Erniedrigungen!

Habe ich mich darüber beklagt? Dafür war ich viel zu klein! Jetzt fand ich jedoch diese Dokumentation ouf YouTube die mir zeigte was für ein großes profitierendes Geschäft diese "Erholungsheime" waren und wie es vielen anderen Kindern ebenso oder sogar noch schlimmer ergangen ist.

Allerdings will ich gar nichts wissen von der heute so üblichen Nabelschau und dem Psychogeschwätz in dem sich jetzt jeder als Opfer betrachtet für alles das ihm je in seinem Leben passiert ist. Da gibt es jetzt sogar eine Bewegung die nennt sich "Verschickungsheime - Das Vergessene Trauma".

Dieses "vergessene Trauma" sollte auch lieber vergessen bleiben denn ich habe schon immer mein Leben nach Friedrich Nietzsches Motto gelebt: "Was mich nicht umbringt, macht mich stärker."

 

 

Saturday, August 20, 2022

Mein Segler-Kultbuch

 


Die 10-teilige Serie kann man auch auf YouTube sehen: drücke hier

 

Erskine Childers schrieb 1903 "Das Rätsel der Sandbank". Das Segler-Kultbuch schildert packend die Rüstungsanstrengungen des Kaiserreichs an der ostfriesischen Küste – elf Jahre vor Beginn des Ersten Weltkriegs.

Der inzwischen mehrmals verfilmte Klassiker gehörte zur Pflichtlektüre des britischen Geheimdienstes und gibt Einblicke in die Denkweise jener Zeit. Er spielt im ostfriesischen Wattenmeer. Der Originaltitel lautet "Riddles of the Sands" und ist das einzige Werk des Autors. Gleichwohl hat Childers damit ein Stück Literaturgeschichte geschaffen, gilt der Roman doch als erster Spionagethriller überhaupt.

 

Das online Hörspiel

 

Der passionierte Segler Arthur Davies bereist im Spätsommer des Jahres 1902 mit einem kleinen Segelboot "Dulcibella" die Ostfriesischen Inseln. Er wird begleitet von seinem Freund Carruthers. In dem Roman wird ein Krieg des Deutschen Reichs mit dem britischen Empire vorhergesagt. Die beiden Engländer halten eine Invasion der Kaiserlichen Marine an der britischen Ostküste für wahrscheinlich.

Das Buch ist so realitätsnah, dass die britische Admiralität Flottenstützpunkte in Scapa Flow, Invergordon und am Firth of Forth aufstellt, wie der spätere Premierminister Winston Churchill schreibt.

 

Das online Buch

 

Davies und Carruthers kartieren das Wattenmeer und werden dabei von der deutschen Spionageabwehr beobachtet. Als sie die Aufpasser abschütteln wollen, gelingt ihnen das Husarenstück, mit ihrer "Dulcibella" innerhalb einer Tide von Norderney nach Wangerooge zu segeln. "Den ganzen Nachmittag bis zur Dunkelheit erkunden wir die Harle, ein Loch zwischen Wangerooge und Spiekeroog; schwere Brandung draußen auf den Bänken . . . die beiden Inseln sind gräßlich öde . . . und der große Kirchturm an der Nordseite von Wangerooge steht tatsächlich im Wasser...", notiert Davies im Logbuch.

Die Engländer machen Bekanntschaft mit dem zwielichtigen Schweden Dollmann und seiner reizenden Tochter Clara. Sie tafeln mit dem Kommandanten des deutschen Kanonenbootes "Blitz", Fregattenkapitän von Brüning, auf Norderney und nötigen ihm mit ausgezeichneter Seemannschaft seinen Respekt ab.

 


Die englische Verfilmung

 

Childers will am Vorabend des Ersten Weltkriegs vor der Gefahr einer deutschen Invasion warnen. Seine Romanfiguren erkunden verdeckt in Bensersiel und auf Memmert geheimnisvolle Manöver und kommen zu dem Schluss, dass die Deutschen allein aus den sieben Sielen zwischen Jade und Ems Truppentransporter für eine Invasion in Marsch setzen könnten. Die im Roman aufgestellten Theorien finden in der Admiralität ihrer Majestät starke Beachtung.

Zwei britische Marineoffiziere werden von "Riddles of the Sands" so stark inspiriert, dass sie 1910 deutsche Militärstützpunkte auf Wangerooge, Borkum und Helgoland ausspionieren und sich am Kaiser-Wilhelm-Kanal (heute Nord-Ostsee-Kanal) umsehen. Wie in der Romanvorlage sind sie mit einem Segelboot unterwegs, werden festgesetzt und vom Reichsgericht in Leipzig zu vier Jahren Festungshaft verurteilt. 1913 vom Kaiser begnadigt, nehmen sie wieder den Dienst in der Royal Navy auf.