Tuesday, September 22, 2020

Es gibt ihn immer noch, den Linde's Kaffee

 

Den Herrensleunten, dem Gesinde, schmeckt er stets wunderbar - der Linde

 

 

Ja, in den 50er Jahren waren wir das arme "Gesinde" und er schmeckte stets wunderbar. Wir nannten ihn "Muckefuck". Dank Google weiß ich jetzt daß das von dem französischen "mocca faux" herkommt obwohl es das rororo-Taschenbuch "Lexikon der bedrohten Wörter" so beschreibt:

 

 

Vielleicht roch es muffig nach schlechten Zeiten und Luftschutzkeller und Kohleofen, aber bei uns stand das blaupunktierte Päckchen immer in der Küche, denn 'richtigen' Kaffee konnten wir uns gar nicht erlauben.

 

 

Später, als die Leute ein bisschen Geld hatten und sich 'richtigen' Kaffee kaufen konnten, machte man ganz sparsam "Blümchenkaffee", der so dünn war, daß man das Blümchendekor am Tassenboden sehen konnte.

Und heute, wo man mehr Geld als Verstand hat, gießt man das Ganze in ein Glas, sagt Latte Macchiato dazu und verkauft die verquirlte Schaum-brühe für 3,50 Euro.

Da würde ich lieber meinen muffigen Muckefuck trinken aber den gibt es leider in Australien nicht. Also bleibt es beim Tee - lemon & ginger!

 

 

Sunday, September 20, 2020

Die Buchdame von Berlin

 

Die Buchdame von Berlin, Renate Borgwardt, in ihrem gleichnamigen Auto

 

Der Krieg war seit einigen Jahren vorbei. Heinz Helfgen kam zurück aus der amerikanischen Gefangenschaft. In den Ruinen Westdeutschlands fand er keine Arbeit. "Ich radle um die Welt", dachte sich der Familienvater und mit 3,80 DM in der Hosentasche startete er von Düsseldorf – die ganze Welt, rechtsrum. Der Gedanke wurde zum Buchtitel. Und die nächsten zweieinhalb Jahre fuhr Helfgen tatsächlich von Abenteuer zu Abenteuer.

In zwei Bänden erschien "Ich radle um die Welt" in 1954. Der erste Band ging "Von Düsseldorf bis Burma", der zweite Band erstreckte sich über "Burma, Indochina, Japan, USA, Grüne Hölle" und beide waren spannender als Karl May, aber ich konnte mir weder sie noch Karl May leisten.

Das änderte sich fünfzig Jahre später als ich sie von einem Buchantiquariat in Berlin-Glienicke bestellte. Die nette Inhaberin schickte sie mir sogleich und noch mehrere andere für die ich in meiner Jugend kein Geld hatte.

Dieses Buchantiquariat hat inzwischen die Tore geschlossen was wohl daran lag daß die Buchdame immer mehr Bücher verschenkte als verkaufte, auch an mich, aber bis heute sind wir gute Freunde geblieben.

 

 

Vielleicht sollte man daraus einen Film machen. Der Titel "Zwischen den Zeilen" ist schon vergeben. Wie wäre es mit "Die Buchdame von Berlin"?

 

 

Wednesday, September 9, 2020

Meine Verpflichtung

 

 

"1. Falls ich ... aus besonderen Gründen vor Ablauf von zwei Jahren nach dem Tag der Ankunft aus dem Commonwealth von Australien abreisen will, werde ich vor der Abreise der Regierung des Commonwealth von Australien den Betrag erstatten, der mir ... als Beitrag zu den Überfahrtskosten nach Australien auf Grund des oben erwähnten Wanderungsabkommens gewährt worden ist.

2. Solange ich in Australien bleibe, werde ich mich in jeder Weise bemühen, die englische Sprache zu erlernen. ..."

 

Mich für zwei Jahre auf Australien zu verpflichten war einfacher als für achtzehn Monate auf die Bundeswehr, und die englische Sprache war auch einfacher zu erlernen als das Gewehrschießen. Und sogenannte 'besondere Gründe' hatte es bei mir nie gegeben. Ganz im Gegenteil! Australien wurde meine neue Heimat und ich wurde ein Neu-Australier!

 

 

In der (k)alten Heimat hätten sie mir inzwischen das Gewehr schon wieder abgenommen, aber hier in Australien habe ich immer noch die "Einführung in die englische Sprache", allerdings nur noch als sentimentales Andenken an eine Zeit in der ich glücklicherweise (und zum ersten und vielleicht auch letzten Mal) die beste Entscheidung meines Lebens gemacht hatte.